Die beiden Rehabilitationsschulungen im Detail
Die Rehabilitation umfasst zwei Schulungsbereiche. Je nach Ausgangslage können sie einzeln durchgeführt oder kombiniert werden. Die konkreten Inhalte richten sich nach dem individuellen Bedarf, den örtlichen Gegebenheiten und dem jeweils bewilligten Leistungsumfang.
Schulung in Orientierung & Mobilität (O&M)
In der O&M-Schulung werden Techniken vermittelt, um Wege wieder sicher und selbstständig bewältigen zu können – im häuslichen Umfeld, im Straßenverkehr und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Umgang mit dem weißen Langstock ist dabei zentraler Bestandteil. Ergänzend kann der Einsatz weiterer Hilfsmittel einbezogen werden (z. B. Filtergläser/Kantenfilter, optische Hilfen, Navigations-Apps oder akustische Orientierungshilfen), abhängig von den jeweiligen Anforderungen.
Ziel ist es, Mobilität zurückzugewinnen und dadurch Teilhabe im Alltag zu ermöglichen – mit mehr Sicherheit, besserer Orientierung und größerer Unabhängigkeit – soweit dies individuell möglich ist.
Mögliche Inhalte (Auswahl):
- Grundlagen der Orientierung: Orientierungspunkte wahrnehmen
und nutzen (z. B. Geräusche, Bodenbeläge, Kanten, Gerüche),
räumliche Einordnung, Struktur von Wegen,
Blindenleitsysteme.
- Langstock-Techniken: Pendeltechniken, Treppentechniken,
Hinderniserkennung, taktile Leitlinien.
- Sicherheit im Wohnumfeld: Hauseingang, Treppenhaus, Gehwege,
typische Hindernisse.
- Wegtraining anhand konkreter Alltagsziele: z. B. zur nächsten
Haltestelle, zum Supermarkt, zur Arztpraxis, zu
Angehörigen.
- Straßenverkehr: sichere Querungsstrategien, Ampeln,
Verkehrsgeräusche, Einschätzen von Kreuzungen.
- Öffentlicher Nahverkehr (je nach Gegebenheiten):
Einstieg/Ausstieg, Haltestellen finden, Orientierung am
Bahnsteig, Verhalten bei Störungen.
Wichtig: Welche Wegstrecken, Querungen oder Verkehrssituationen trainiert werden können, hängt von der individuellen Situation und den örtlichen Gegebenheiten ab.

Schulung in Lebenspraktischen Fähigkeiten (LPF)
Die LPF-Schulung zielt darauf, alltägliche Tätigkeiten, die durch eine Sehbehinderung oder Erblindung erschwert sind, (wieder) zuverlässig ausführen zu können. Dazu gehören unter anderem: Haushaltsführung, Körperpflege, Kochen, Wäschepflege, Geldhandhabung, Ordnungssysteme sowie alltagsnahe Kommunikations- und Organisationsstrategien. Der Fokus liegt auf praktischen Techniken, sinnvollen Abläufen, Sicherheit und einer Struktur, die im Alltag trägt.
Mögliche Inhalte (Auswahl):
- Ordnung und Orientierung in der Wohnung: feste Plätze,
Beschriftungen, taktile Markierungen, logische
Ablagesysteme.
- Küche & Ernährung: sicheres Arbeiten am Herd,
Vorbereitung, Schneid- und Gießtechniken, Umgang mit heißen
Flüssigkeiten, Portionieren, Lebensmittel
erkennen/kennzeichnen, Umgang mit dem Essbesteck.
- Haushaltsführung: Reinigung, Wäschepflege, Umgang mit
Reinigungsmitteln, Struktur im Alltag, sichere
Handgriffe.
- Körperpflege & Ankleiden: geeigneten Strategien, Auswahl
und Kombination von Kleidung, Organisation im
Bad/Schrank.
- Unterlagen & Organisation: Post sortieren, Termine
verwalten, Geldhandhabung, einfache Dokumentenablage.
- Lesen/Schreiben/Kommunikation (je nach Bedarf): Großschrift,
Vorlesefunktionen, Vergrößerung, elektronische Hilfen wie z. B.
Texterkennung (OCR), Telefonieren/Umgang mit dem Handy, ggf.
Braille-Grundlagen.
- Sehrest optimal nutzen: Beleuchtung, Kontraste, Blickführung,
optische und elektronische Hilfen.

Wofür das im Alltag hilfreich sein kann:
- Abläufe werden sicherer (z. B. in der Küche).
- Der Haushalt wird weniger kräftezehrend, weil Systeme und
Routinen greifen.
- Selbstversorgung wird stabiler – und damit auch die Teilhabe
am sozialen und beruflichen Leben.
Beide Schulungen stärken das Selbstvertrauen und nutzen vorhandene Sinne optimal, um ein Leben zu ermöglichen, das vielleicht zuvor unmöglich erschien.
Nützliche Hilfsmittel
Hilfsmittel sind oft dann hilfreich, wenn sie zur Person und zum Alltag passen und gut eingeübt werden. In den Schulungen kann – je nach Bedarf – der Umgang damit praktisch trainiert werden.
- Ultra Body Guard: Hinderniserkennung im Oberkörperbereich,
Sicherheit im Außenbereich.
- Markierungs- und Beschriftungshilfen: tastbare Punkte,
Kontrastband, Reliefetiketten, Organisationssysteme.
- Beleuchtung & Kontraste: Arbeitsplatzlampen, blendfreie
Lichtführung, kontrastreiche Unterlagen.
- Optische Hilfen: Lupen, Monokulare, Filtergläser (abhängig
von Diagnose und Sehrest).
- Digitale Hilfen: Bildschirmlesegeräte, Sprachnotizgeräte,
Vorlesefunktionen, OCR, Navigations- und ÖPNV-Apps.
- Alltagshilfen: sprechende Messgeräte,
Flüssigkeitsstandanzeiger, Küchenhilfen.
Hinweis: Auswahl und Versorgung erfolgen je nach individueller Situation und – falls erforderlich – in Abstimmung mit ärztlicher Empfehlung bzw. Kostenträgerregelungen.
Eine kleine Auswahl an nützlichen Helfern:



